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Das Vorgebirge - Burgen, Rittersitze und Flussauen
Gehören Sie auch zu jenen, die meinen, das Vorgebirge habe nichts zu bieten? Nein? Das ist gut so, denn hier gibt es viele idyllische Flecken zu entdecken, ehemalige Rittersitze an Flußauen, Wasserburgen, Schlösser ... Keine andere europäische Landschaft kann auf vergleichbar engem Raum so viele Burgen, Herrenhäuser und Schlösser aufweisen wie die Region südwestlich von Köln. Dies hängt noch mit den Zeiten zusammen, als sich die Kölner Erzbischöfe, die Grafen und später die Herzöge von Jülich und die Eifler Fürstengeschlechter die Macht in diesem Gebiet teilten. Fast jedes der typischen Bauerndörfer kann einen solchen Herrschersitz aus vergangenen Zeiten vorweisen. Viele sind heute in Privatbesitz und daher lediglich von außen zu bewundern. Auf unseren Erkundungen wollen wir uns aber nicht nur der Architektur widmen, sondern uns interessiert vor allem das Leben, das sich vor Jahrhunderten abspielte, wie lebten die Herrscher, wie das gemeine Volk.
Das berühmtste Barockschlossensemble steht unbestritten in Brühl mit Augustusburg und Falkenlust. Auf dem Weg nach Walberberg werfen wir in Schwadorf einen Blick auf die Schallenburg aus dem 16./17.Jahrhundert. Sie gehörten den Herren Schall von Bell. Eines ihrer Mitglieder, der Jesuitenpater Adam Schall von Bell, erlang Ruhm als Mandarin und Hofastronom des chinesischen Kaisers.
Walberberg erhielt seinen Namen von der Heiligen Walburga, deren Schädel-Reliquie im 11. Jahrhundert der Kölner Erzbischof aus dem bayrischen Eichstätt dem Kloster Berg hier schenkte. Walburga verdrängte so langsam den bisherigen Heiligen Jogodus. Nicht weit von der Kirche entfernt steht der Hexenturm, über dessen Funktion sich die Geister streiten. In unmittelbarer Nähe der Kirche ist auch ein Teil der römischen Wasserleitung erhalten. Wo die anderen teile, heute für das bloße Augen nicht mehr sichtbar, verwendet wurden, erfahren Sie vor Ort. Schließlich genießen wir den Blick auf die Kitzburg, die bereits im 15. Jahrhundert als Wasserburg erwähnt ist.
Ein Abstecher nach Sechtem lohnt, um dort einen Blick auf zwei Herrensitze, die Weiße Burg und die Graue Burg, zu werfen. In Merten steht auf dem Friedhof eine sehenswerte kleine romanische Kapelle, St. Martin. Außerdem hat hier der Schriftsteller Heinrich Böll auf seinen Wunsch hin die letzte Ruhestätte gefunden. Im nächsten Nachbarort, Rösberg, erwartet uns die barocke Pfarrkirche St. Markus und Schloss Rösberg, einstiger Sitz des kurfürstlichen Oberjägermeisters. Deswegen ist der Bau wie Schloss Brühl von Johann Conrad Schlaun, dem Hofarchitekten Clemens Augusts, errichtet. Nach langjährigen Restaurierungen zeigt es sich nun wieder in seiner ursprünglichen Pracht. In Hemmerich dagegen lässt die Burgruine allerdings nur ahnen, welch stattlicher Bau hier einst stand.
In Bornheim lohnt ein Blick auf das gleichnamige Schloss, das in einen schönen Landschaftspark mit Kastanienallee eingebettet ist. Wiederum zwei Herrensitze erwarten uns in Roisdorf: der einstige Rittersitz der Herren Wolf von Schwarzrheindorf, die Wolfsburg sowie Haus Wittgenstein, von dem Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner geplant.
In einer einzigartigen Landschaftskulisse liegt Schloss Alfter
am Rande des Vorgebirges. Von hier genießen wir einen herrlichen
Blick auf die Gartenlandschaft der Köln-Bonner-Bucht und versetzen
uns in die Zeit, als das Schloss noch von seinen Herrn von Reifferscheid
bewohnt war. Zuvor hatten hier bereits seit dem 12. Jahrhundert
die Erbmarschälle des Kölner Erzstifts ihren Sitz. In Gielsdorf
begegnen wir wieder einem Herrensitz, den der Domabumeister Zwirner
plante: das Landhaus der Gerren Geyr von Schweppenburg. Danach kehren
wir kurz in die im Kern romanische Kirche St. Jakobus ein. Dann
stellt sich die Frage, ob wir einen kurzen Spaziergang durch den
Naturpark Kottenforst-Ville unternehmen, der hier auf der Höhe des
Vorgebirges den größten Lindenbestand in Deutschland aufweist oder
ob wir uns direkt auf den Weg nach Bonn machen.
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